Vorläufiges Medienkonzept der Gesamtschule Jüchen

"Neues wagen"

Pädagogisches Netz

Stand April 2017

 

Ansprechpartner

Susanne Schumacher und Elmar Welter

e-mail: gesamtschule@juechen.de

Ausgangslage der Gesamtschule Jüchen – Schule im Wandel

Die Gesamtschule Jüchen gehört zu den neu gegründeten Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. Sie ist im August 2012 als vierzügige Sekundarschule Jüchen am Standort Hochneukirch gestartet und ist im August 2016 in die Gesamtschule Jüchen umgewandelt worden.

 

Gesamtschule Jüchen – Schule des längeren gemeinsamen Lernens 

Das oberste Ziel der Schule ist, alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von Ihrem Leistungsniveau und Leistungsvoraussetzung in einer Klasse zu beschulen. Unsere Schule vermittelt das selbstgesteuerte Lernen, indem die Schülerinnen und Schüler individuell, ihren Voraussetzungen entsprechend, gefördert und gefordert werden. Digitale Medien in Form von Computern, Mobiltelefonen bzw. Smartphones und Tablets bestimmen zunehmend unseren Alltag. Das Lernen in der Gesamtschule soll u. a. mediengestützt und zukunftsweisend erfolgen. Der Auftrag lautet „individuelles Lernen“ und „Kompetenzorientierung“ in deutlich differenzierter und gestalteter Form zu ermöglichen, zu fördern und zu fordern, um der großen Spannbreite unterschiedlicher Lernvoraussetzungen, die insbesondere Geamtschülerinnen und -schüler mitbringen, angemessen zu begegnen.

 

Gesamtschule Jüchen – Schule im Aufbau

Die integrierte Gesamtschule Jüchen ist vierzügig angelegt und hat zurzeit 550 Schülerinnen und Schüler (Ausbau Jg. 5-9, Stand April 2017) mit einer

unterschiedlichen Leistungsbandbreite. Der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler (ca. 50 %) hat von der Grundschule eine Realschulempfehlung erhalten, etwa ein Drittel der Schülerschaft kam mit einer Hauptschulempfehlung, 10 % der Kinder verfügten zu Beginn der Klasse 5 über eine gymnasiale Empfehlung. Darüber hinaus beschult die Sekundarschule ca. 50 Förderkinder verteilt auf alle Jahrgangsstufen in allen Klassen.

 

Gesamtschule Jüchen – Schule mit zwei Standorten 

Die Gesamtschule Jüchen besteht an zwei Standorten „Hochneukirch“ und „Jüchen“. Die beiden Standorte liegen ca. 6 Kilometer auseinander. Die

Jahrgänge 5, 6 und 7 werden derzeit am Standort Hochneukirch beschult, die Jahrgänge 8, 9 am Standort Jüchen. Im Endausbau werden am Standort Jüchen die Jahrgänge 8 bis 13 angesiedelt sein. 

 

Gesamtschule Jüchen – medialer Bildungsauftrag

Laut Schulgesetz (SchuLG §2(4)) sollen SchülerInnen dazu befähigt werden, „verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen, und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten“. Dabei sollen sie „insbesondere lernen, mit Medien

verantwortungsbewusst und sicher umzugehen.“ Als Ausformulierung dieser grundsätzlichen und abstrakten rechtlichen Vorgabe kann der Medienpass NRW herangezogen werden.

Im Rahmen der Entwicklung des Medienpasses NRW werden folgende fünf Kompetenzbereiche genannt:

  • bedienen/anwenden
  • informieren/recherchieren
  • kommunizieren/kooperieren
  • produzieren/präsentieren
  • analysieren/reflektieren

Hierbei sollten für die Umsetzung in Schule folgende Aspekte beachtet werden:

  • Medienbildung als kontinuierlicher – jedoch individuell variabler Prozess über verschiedene Jahrgangsstufen und unter Beteiligung verschiedener
  • Fächer und Aufgabenformate;
  • alle Kompetenzbereiche in aufbauender Form berücksichtigen; 
  • das gesamte Medienspektrum beachten und dabei die altersspezifische
  • Mediennutzung und den individuellen Entwicklungsstand sowie das Potenzial der Kinder berücksichtigen;
  • exemplarische Einsichten herbeiführen, die auch für andere Medien bedeutsam sind;
  • kategorische Einsichten herbeiführen, die für die zukünftige Entwicklung der Medienlandschaft grundlegend sind.

 

Gesamtschule Jüchen – pädagogische Ausgangslage

Aus pädagogischer Sicht müssen folgende Besonderheiten unserer Schule benannt werden, die unmittelbare Auswirkungen auf das Lernen mit Medien und die dafür benötige Ausstattung haben: Die Schülerinnen und Schüler haben nicht alle im familiären Umfeld dieselben Zugangsmöglichkeiten zu den Neuen Medien. Im Sinne eines sozialen Ausgleichs müssen wir in besonderem Maße Schülerinnen und Schülern einen Umgang mit Neuen Medien ermöglichen, um soziale Benachteiligungen kompensieren zu können. Ein Teil der Schülerschaft hat große Defizite in den fundamentalen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Ebenfalls ist Deutsch nicht immer Muttersprache. Ein Schwerpunkt der Neue Medien ist der Einsatz von Lern- und Übungssoftware in Deutsch, Mathematik und Englisch. Damit wären längere Übungszeiten sichergestellt und das eigenständige Lernen würde unterstützt. Am Ende der Klasse 9/10 sollen alle Schülerinnen und Schüler Neue Medien sicher handhaben können.

Zur Vorbereitung auf die beruflichen Anforderungen bzw. dem Übergang in die gymnasiale Oberstufe sollen alle Lernenden auf ein Repertoire an

Arbeitstechniken (Präsentationen, Dokumentationen, usw.) und Nutzung von Office-Anwendungen zurückgreifen können.

 

I. Schlussfolgerungen für das Medienkonzept der Gesamtschule Jüchen

Ziel ist die mediale Infrastruktur so zu planen, dass ein individualisierter und individuell fördernder Umgang mit bzw. Einsatz von modernen Medien im Rahmen der beschrieben Ausgangslage der Gesamtschule Jüchen möglich wird. Der Leitgedanke des Konzeptes für die erste Gesamtschule Jüchen ist innerhalb dieser ausführlichen Erörterung von Fachleuten der medialen Seite einerseits und der pädagogischen Orientierung andererseits entstanden und für sinnvoll erachtet worden: „Neues zu wagen“.

Dieses Medienkonzept basiert auf einer ersten Zusammenstellung der bereits erfolgten Ausstattungsmerkmale, die die Gemeinde Jüchen bereits umgesetzt bzw. durch die Maßnahmen im Rahmen des Programms „Schule 2020“ geplant bzw. in Aussicht gestellt hat.

 

I. 1 GERÄTE – Mobile Einheiten

Mobile Einheiten können - nach dem heutigen Stand unserer Kenntnis – individualisierten Unterrichtsformen in besonderem Maße gerecht werden.

Mobile Medien ermöglichen einen zeitlich und räumlich flexiblen Einsatz im Schulalltag.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass Schülerinnen und Schüler wünschen, ihre persönlichen digitalen Endgeräte in die Schule mitbringen und nutzen zu dürfen. Die Nutzung dieser persönlichen Medien wird im Weiteren BYOD genannt (Bring-your-own-device).

Die Gesamtschule Jüchen verfolgt daher zwei Wegen:

● Präsenzbestände

Um die Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten im Unterricht und in kompetenzorientierten, individualisierten Lern- und Arbeitszeiten zu ermöglichen, sollen zunächst von schulischer Seite zur Verfügung gestellte Tablets bereitgehalten werden. So hat jede/r SchülerIn gleichwertigen Zugriff auf einen Tablet PC.

● BYOD

Die verfügbaren Devices der Schülerinnen und Schüler sollen einer zielorientierten, verantwortungsvollen Nutzung zugeführt werden. Tablets, Smartphones oder weitere Entwicklungen sollen – sobald wie rechtlich abgesichert, also möglich - mitgebracht und für die individuelle Förderung des einzelnen Schülers eingesetzt werden dürfen.

 

I. 2 Nutzung – allgemein

Den SchülerInnen soll im Rahmen der in allen Fächern integrierten Medienerziehung auf vielfältige Weise die Einsatzmöglichkeiten eines Computers

ermöglicht werden. Dazu zählt u.a.: 

● Präsentationen verarbeiten: Informationen extrahieren und transformieren in eigenes Wissen

● Präsentationen vorbereiten: eigene Medienkompetenz ausbauen, um Inhalte zu vermitteln

● sinnvolle, sichere Suche von validen Informationen oder Hinweisen im Internet

● der Umsichtige Umgang mit sozialen Diensten und sonstigen Messaging-Diensten

● juristisch einwandfreier Umgang mit Musikproduktionen unter Beachtung von Urheberrrechten

● Filmschnitte und Videoproduktionen rezipierend erkennen (z.B. manipulative Aspekte)

● Film- Ton- oder Videomaterial aufbereiten

● Podcasts angemessen erfassen (kritisch, vorsichtig, selektierend), sowie erstellen können

● umsichtigen Umgang mit Blogs, Wikis etc. für sich selbst als notwendig erkennen und umsetzen können

● konstruktiver Umgang mit Mails, sicherer Eintritt in Chatrooms etc.

● klassische Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Geogebra beherrschen

 

 

Ankoppelung an Unterrichtsfächer

Medienpädagogische Aufgaben   Beteiligte Fächer
 Lernen und Üben mit Lernprogrammen  

Deutsch, Englisch, Mathematik, Französisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre

Recherche (Online/Offline)  

Deutsch, Gesellschaftslehre, Englisch, Religion, Arbeitslehre 

Kommunikation  

Deutsch, Englisch, Französisch, Gesellschaftslehre, Arbeitslehre 

Medienproduktion  

Deutsch, Gesellschaftslehrer, Musik, Religion, Naturwissenschaften

Medien kritisch reflektieren

 

Deutsch, Gesellschaftslehre, Arbeitslehre

 

 

Detaillierte Pläne werden von den Fachkonferenzen erarbeitet und jährlich auf

die vorhandene Infrastruktur angepasst.

 

I. 3 TABLETS mgl. iPads

· Tablets sind von Schülerinnen und Schüler in der Regel intuitiv zu bedienen

· Tablets ebnen den Weg weg von lehrerzentriertem Unterrichten hin zu schüleraktivierendem Unterricht

· Tablets sind schnell einsatzbereit

· Tablets sind mobil

· Tablets sind flexibel einsetzbar

· Tablets ermöglichen binnendifferenzierenden Unterricht in besonderem Maße

· Tablets ermöglichen den Einsatz verschiedener Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit)

· Tablets ermöglichen schüleraktivierenden Unterricht

· Tablets ermöglichen „individuelle Förderung“ in besonderem Maße

· Tablets ermöglichen kompetenzorientiertes Lernen in besonderem Maße

· eine ständig steigende Anzahl Apps richten sich an Schule und Unterricht

· Schulbuch-Verlage bieten ihre Lehrwerke auch in iBooks Store an

· Tablets benötigen wenig Energie, können einen ganzen Schultag betrieben werden

· der Umgang mit Tablets ist für Kinder und für Lehrer motivierend In Gesprächen wurde der Gesamtschule Jüchen der Einsatz von iPads empfohlen, um von den Erfahrungen der ITK Rheinland aus Einsätzen in der Stadt Düsseldorf und Neuss zu profitieren.

 

 

II. Technische Infrastruktur

Die Medienausstattung der ersten Gesamtschule Jüchen sollte so nachhaltig und gleichzeitig flexibel angelegt sein, dass auf zukünftige Entwicklungen leicht reagiert werden kann.

 

II. 1 Unterrichtsräume

Die Wahl der eingesetzten Geräte muss den vielfältigen Einsatz der genannten Einsatzbereiche sicherstellen. Für die Klassenräume sollen Präsensbestände von digitalen Endgeräten vorgehalten werden, die jederzeit individuell und leicht von Schülerinnen und Schülern genutzt werden können. Eine ergänzende Installation von ein paar wenigen, stationären Computern ist mittelfristig zu erwägen. Für die Fachräume sollen interaktive Smartboards mit Dokumentenkameras als Regelausstattung vorgesehen werden.

  • iPads (Anzahl abhängig von finanziellen Möglichkeiten)
  • didaktisch sinnvolle App-Grundausstattung (z.B. i-movie, garage band, key note, pages)
  • nach Möglichkeit Aufstockung der Schüler-Tablet Relation durch die Integration von BYOD
  • Ergänzung durch eine PC-Computerarbeitsplätze in einzelnen Klassenräume
  • Deckenbeamer mit Lautsprechern und Apple TV
  • Interaktive „SmartBoards“ mit Dokumentenkamera in den Fachräumen
  • Whiteboards - Als Projektionsflächen für die Beamer können die weißen Tafeln sukzessive die alten Tafeln ersetzen.

 

II. 2 Konvertierungsräume

In einem Konvertierungsraum soll im weiteren Ausbau der Schule für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen und gleichzeitig die Möglichkeit bestehen, Unterrichtsmaterialien aus der virtuellen Welt in die „papierne“ reale Welt umzuwandeln bzw. vice versa. Nach momentanem Stand der Entwicklung fänden sich hier Drucker, Scanner, Kamera, Brenner etc. 

Selbstverständlich müsste parallel zur Einrichtung eines solchen Raumes die Schulung und Ausbildung in juristischen Fragen zu Urheberrecht, Vervielfältigung m, Nutzung von eigenen Produkten bzw. denen anderer für Unterrichtende sowie für die Schülerschaft erfolgen.

 

II. 3 Anschluss und W-LAN Ausleuchtung

Der Anschluss der Schule an das Internet geschieht über eine breitbandige kostenlose Leitung der Deutschen Telekom (t@school). Dies ist aktuell eine DSL 1600 Leitung, die je nach technischer Voraussetzung nicht die volle Leistung gewährleistet. Um auch die kostenfrei über EDMOND bereitgestellten multimedialen didaktischen Materialien parallel in unterschiedlichen Lerngruppen nutzen zu können, soll ein schulinterner Server installiert werden. Auf diesen Server kann mit jedem iPad zugegriffen werden. Der Server wird ins pädagogische Netzwerk integriert und kann auch für Benutzerverzeichnisse und andere Serverdienste genutzt werden.

Um die schul- und schülereigenen Rechner performant mit dem Netzwerk verbinden zu können, ist eine flächendeckende WLAN-Ausleuchtung mit einer anzupassenden Anzahl von Access-Points nötig. Erleichternd ist hier die Tatsache, dass die Schule in Teilen bereits über eine gute Verkabelung in den Klassentrakten verfügt. Für eine nachhaltige Infrastruktur sollte der Ausbau des Netzwerkes einen Schwerpunkt der Arbeit in den ersten Jahren stellen.

 

II. 4 Plattform moodle

Als ein wichtiges Kommunikations- und Arbeitsmittel haben wir die Lernplattform Moodle in die Organisationsstruktur der Schule eingebunden. Moodle soll als Kommunikationsplattform für das Kollegium und als Arbeitsplattform für den Unterricht als ein zentraler Baustein der Medienstruktur an der Gesamtschule Jüchen aufgebaut werden. Die Instanz wird bei KRZN gehostet. Eine fachliche Unterstützung durch den Moodle-Treff der Bezirksregierung und das KT-Neuss wird uns dabei begleiten und unterstützen. Diese fruchtbare Zusammenarbeit hat auch zukünftig einen festen Platz in unserem Fortbildungskonzept.

Moodle als Lern- und Arbeits- bzw. Kommunikationsplattform ermöglicht digitale Kommunikation innerhalb der Schulgemeinde, die Dokumentation und

Archivierung von Aktivitäten und Denkprozessen der Schule, der pädagogischen Arbeit, der Vernetzung aller am Schulleben Beteiligten sowie die interdependente Einbindung der Homepage

 

SCHLUSS

Aspekte der Evaluation des hier skizzierten Konzeptes, des Lehrerfortbildungsbedarfes, der Einbeziehung in die schuleigenen Lehrpläne auf

Fachebene usw. sollen hier noch offen bleiben, um dem zukünftigen Kollegium und der Schule noch unter Beratung von KT, ITK BezReg und der gemeinde Jüchen Raum und Entwicklungsspielraum zu geben. Ausgehend von diesen grundsätzlichen Überlegungen müssen nun in Absprachen

mit der Gemeinde Jüchen entsprechende detaillierte Pläne erstellt werden, die eine sächliche und räumliche Umsetzung des Konzepts ermöglichen.